Eltern und Kinder

Erfahrungsbericht einer Mutter

 

 

„Die hilfreich zugewandte Mutter“

Erfahrungsbericht einer  Mutter zu einer von mir geleiteten therapeutischen Arbeit im Rahmen einer Weiterbildungsgruppe 2008. Die Rückmeldung der Teilnehmerin ist leicht gekürzt wiedergegeben:

 

„Anlass zu dieser Arbeit war, dass unser 7jähriger Sohn seit circa 4 Wochen immer häufiger die Angst hatte, keine Luft mehr zu bekommen und einen Kloß im Hals zu haben.

Organisch wa alles in Ordnung, wie mir in zwei verschiedenen Notaufnahmen, die ich aufsuchte, versichert wurde. Hier zeigte sich blutgastechnisch eine typische Hyperventilation, die aufgrund der Panik meines Sohnes und der damit verbundenen tiefen und schnellen Atmung zustande kam. Auch die Kinderärztin fand organisch nichts.

Diese Zustände häuften sich: Sie waren situationsunabhängig und nicht Personengebunden. Der Sohn bekam diese Angst bei seinem Vater, bei mir, bei Oma, Opa und bei Freunden, die er aufgrund dessen nicht mehr allein besuchen wollte. Er bekam die Angst wenn er beschäftigt war, sich langweilte, wenn er Schimpfe bekam oder wenn alles in Ordnung war. Es ließ sich keine Regelmäßigkeit feststellen. Unsere Aktionen und Reaktionen waren nicht wirklich dauerhaft und erfolgreich, und ich merkte, dass ich immer rat- und hilfloser wurde und mehr und mehr in eine „hysterische Spirale“ geriet, die uns in der Situation so gar nicht weiterhalf. Ich konnte meinem Kind in diesen Situationen nicht zur Seite stehen, weil ich selbst völlig gefangen in der Angst war.

 

Die Arbeit von Marlies:

Nach Schilderung der Problematik, Klärung meines Anliegens (das Anliegen war: eine hilfreich zugewandte Mutter sein zu können) und einer kurzen Aufstellung gingen wir in ein Rollenspiel, bei dem eine Teilnehmerin mich darstellte und ich unseren Sohn. Wir saßen uns auf zwei Stühlen gegenüber und ich ging in die Angst meines Sohnes, keine Luft mehr zu bekommen. Die „Rollenspielmutter“ hielt während dieser ganzen Zeit Blickkontakt und schien sehr gelassen. Irgendwann stellt sich bei mir als Stellvertreter meines Sohnes das Gefühl ein, wozu das alles? Hier endete das Rollenspiel.

 

In den ersten Tagen nach dieser Arbeit änderte sich an der Angst unseres Sohnes nicht viel. Ich hatte aber immer wieder die Arbeit vor Augen, im Kopf und im Herzen (diese Anleitung wurde mir als Aufgabe von Marlies für den Kontakt mit meinem Sohn mitgegeben). Nach ca 1 ½ Wochen sagte dann der Sohn auf einem Mal zu mir, dass er <<die Kloßnummer nicht mehr brauche>>. Ich war so verblüfft, dass ich gar nichts sagen konnte. Die Angstattacken nahmen nach und nach ab bis zum heutigen Tag[1] . Momentan ist es so, dass unser Sohn hin und wieder schwer und tief durchatmet, selten sagt er, dass er Angst hatte. Inzwischen kann er es ertragen, wenn wir nicht mit ihm im Zimmer sind sondern nebenan. Er braucht immer wieder Versicherung, dass wir ihm sagen, wenn wir weiter weggehen. Zu Freunden geht er noch nicht ohne den Vater oder mich. In der Schule geht es, weil da, wie er sagt, die Lehrer sind. Letzte Woche konnte er schon von seiner Oma zu Bett gebracht werden, da mein Mann und ich zu einer Veranstaltung gehen wollten. „

 



[1] circa 3-4 Wochen nach der Arbeit in der Gruppe geschrieben