‚Heilung’, Entwicklung, Ganzheit.....

 

Jon Kabat-Zinn: 17 Punkte zur Überwindung von Lebensproblemen und zur Gesundung

 

Viele psychologische, therapeutische und gesundheitsorientierte Forscher haben versucht, ihre Erfahrungen und Forschungen zu Gesundheit und Wohlergehen allgemeinverständlich für Laien zugänglich zu machen. So sind vielfältige positive Hinweise zur psychisch-körperlichen Gesundheit, emotionalen Problembewältigung und zur Gesundung  beziehungsweise zur inneren Stabilisierung bei chronischen Erkrankungen in Form von kurzen Anleitungen (Leitsätzen) entstanden.  

 

Jon Kabat-Zinn, anerkannter Meditationslehrer und Stressforscher benennt in seinen Werken 17 Punkte zur Bewältigung von Lebensproblemen. Diese  - von ihm zusammengefassten -  siebzehn gesundheitsfördernde und problemlösende Anleitungen, sind ebenfalls in den Werken vieler anderer (schon) benannt worden. Allen voran sei hier genannt der Onkologe Carl O. Simonton, der über seine Forschungen und seine langjährige praktische Arbeit mit Krebspatienten ein „10-Schritte-Programm zur Gesundung“ für an Krebs erkrankte Menschen aufgestellt hat[1]. Auch in den Schriften zur „Positiven Psychologie“ (z.B. Martin Seligman), des „Flow“ (Glücksforschung) von Mihaly Csikszentmihaly, der Resilienzforschung und anderer  psychologischer Richtungen finden sich die zentralen Aspekte der von Kabat-Zinn genannten  17 Punkte zur Lösung von Probleme beziehungsweise zur körperlichen und seelischen Gesundung.

 

Zum Thema, was Menschen benötigen, um Probleme in Beziehungen, bei Traumata, schwierigen und leidvollen Situationen im Leben, persönliche Kränkungen, Erkrankungen und Erkrankungen bei Partnern und Kindern, Sucht und Depression (langfristig) zu überwinden, eine kurze Zusammenfassung der Ideen von Jon Kabat-Zinn [2]:

 

1.      den starken persönlichen Wunsch nach Heilung und innerem Frieden

2.      bewusst die Verantwortung übernehmen für die persönliche Gesundheit

3.      Akzeptanz des persönlichen Zustandes bei sich und anderen

4.      Akzeptanz, dass der Partner, die Partnerin, das Kind, die Kinder nicht ‚schuld’ sind am eigenen Leid

5.      Akzeptanz, dass andere wichtige Menschen ‚schuldlos’ sind (am eigenen Leiden) in dem Sinn, dass sie sich nicht ändern können – sie sind wie sie sind

6.      Aufgabe der Idee, den Partner, die Partnerin ändern zu wollen

7.      Aufgabe der Idee, Kinder verhalten sich bösartig: sie spiegeln immer die unbewussten Kräfte und ‚Schattenseiten’ der Eltern, bzw. deren Hilflosigkeit und Unwissen zu psychischen Zusammenhängen

8.      Sich fundiertes Wissen erwerben zu guten Veränderungs-, Bewältigungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten bei eigenen leidvollen Zuständen

9.      Sich fundiertes Wissen erwerben zu Traumata und Traumafolgestörungen, falls ein persönliches Trauma vorliegt

10.  Sich immer wieder neu mit Verarbeitungs- und Bewältigungsstrategien befassen

11.  Den eigenen Anteil bei Konfliktsituationen immer beachten, und die Konzentration darauf lenken, den eigenen Anteil zu verringern. Dies ist schwierig, da unser Verhalten automatisch und zum großen Teil ‚bei uns unbewusst’ abläuft

12.  Gesundheit und Wohlbefinden immer wieder neu überprüfen und Maßnahmen ergreifen, diese zu stärken, z.B. Zeiten festlegen für Sport, Hobby, Meditation, Freizeitaktivitäten alleine oder gemeinsame mit Familie und Freunden

13.  Sich die Errungenschaften der westlichen Welt im Hinblick auf Kultur, Musik, Filme, Kunst etc. aktiv stellen

14.  Aufbauend auf das eigene Selbstheilungspotential, sich selbst für seine Gesundheit verantwortlich fühlen und das Wohlbefinden durch mehr Aufmerksamkeit verbessern

15.  Die Kontrolle über die psychische, emotionale und körperliche Gesundheit zu erlangen geschieht, indem der Umgang mit krank machenden Umständen aktiv erlernt wird

16.  Achtsames Verhalten zur eigenen Person üben

17.  Yoga, Meditation, Sport, Wandern, Kultur, Ernährungskultur, Tanz, Gesang und andere Tätigkeiten kontinuierlich ausüben

 

 

 

Informatives zu der von Jon Kabat-Zinn entwickelten die „Methode der Achtsamkeitsmeditation“, der „mindfullness based stress redution“ (MBSR):

 

MBSR –mindfullness-based stress reduction.

 

Die Achtsamkeits-Methode soll helfen, vermittels bestimmter innerer Haltungen sowie aktiver Meditationstechniken, Atem- und Yogaübungen Phänomene von Stress, Schmerzen, chronische Krankheiten und Beschwerden zu verändern beziehungsweise zu bewältigen. Dies kann nur geschehen, indem Menschen eigenverantwortlich die ihnen innewohnenden Selbstheilungskräfte fördern (lernen) und langfristig wirksame Bewältigungsmechanismen lernen. Das MBSR gehört zum Bereich der als „Geist-Körper-Medizin“ bezeichneten Richtung der „Integrativen Medizin“. Die „Integrative Medizin“ umfasst alle „Geist-Körper-Heilansätze, sowie andere, wissenschaftlich fundieren Therapieformen (‚alternative Medizin’, ‚Komplementärmedizin’)

 

Bei Jon Kabat-Zinn wird die Wichtigkeit davon unterstrichen, dass Krankheit, Leid, Konflikte und Stress zum Leben gehören. Erwartungen, das Leben sollte anders sein, sollten aufgegeben werden, ebenso wie Vermeidungsverhalten, Fluchtverhalten und Schuldzuweisungen an andere. Eine innere Haltung von Vermeidung, Flucht und / oder Schuldzuweisung verstärkt die persönlichen Probleme eher, und sie schwächt enorm die Lebensenergie und das Wohlbefinden. Statt dessen ist es gut, die eigene innere Einstellung zu den Schwierigkeiten des Lebens immer wieder neu zu überprüfen: Welche persönliche Erwartung habe ich, mir gegenüber, meinem Partner / meiner Partnerin, meinen Kindern, den Nachbarn, den Freunden, dem Arzt, dem Psychologen etc ? Wie realistisch ist diese Erwartung?

 

Kabat-Zinn weist darauf hin, dass es Zeiten gibt, in denen der Mensch sich von den Anforderungen des Alltags stark überfordert fühlt oder auch das Gefühl hat, dass seine Anstrengungen nichts bewirken.  Grübeleien und Gedankenkreisen werden eventuell immer stärker, und die Fokussierung auf Leid und Stress nimmt einen immer größeren Raum ein. Gefühle von Unsicherheit, Hilflosigkeit, Trauer oder auch: starke Erregung, depressive Gefühle, Wut, Aggression, und die Zusammenballung verschiedener Gefühlszustände stehen dann im Vordergrund. Diese Gefühlszustände können bewusst oder halbbewusst als wahrgenommen werden, vielfach laufen sie absolut unbewusst und automatisch ab. Sofern dies ein immer wiederkehrender Vorgang des Lebens ist, liegt die Vermutung nahe, dass der ‚Urgrund’ der Schwierigkeiten in der Kindheit verankert ist. Hier bedarf es dann einer Bewältigung früher, traumatisch wirkender Kindheitserfahrungen, sowie gleichzeitig (!) ein sich Bewusstmachen, dass diese Kindheitserfahrung das gegenwärtige Leben durch eigenes Verhalten[3] immer wieder neu in Aktion setzt.

 

Das Verhalten, Denken und Fühlen in der Gegenwart sollte – sofern sich diese Gefühlszustände stark und bleibend zeigen, überprüft werden – eventuell mit Hilfe eines psychologisch geschulten Fachmenschen - , um den Kinderschuhen zu entwachsen und um seiner Gesundheit nicht zu schaden. Die Verbindung zwischen Psyche und Körper sind eng, das wird gerade am Beispiel der Stressforschung sehr deutlich[4]. Entwickeln bedeutet in dem Fall, Gedankenkreisen, Schuldzuweisungen, Ängste etc zu überwinden und  ein ‚reifes’ und selbstreflektives, was vor allem heißt ein <<Nicht-Selbstschädigendes>> Verhalten zu erlernen.

 

Bewältigungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten, die selbstreflexiv und ohne professionelle Hilfe durchgeführt werden können, sind:

·    Beachte die Punkte 1-17 und überprüfe, was Du davon tust (im Denken, Fühlen und Handeln) und was Dir nicht möglich ist

 

·    Beachte die weiter unten aufgeführte Verarbeitungs-, und Veränderungsmöglichkeiten.

Lies diese oft durch, insbesondere, wenn Du im Leid stehst, wenn Konflikte dich überwältigen, Beziehungen schwierig sind, Du verzweifelt bist, hoffnungslos und traurig. Je öfter Du Dich damit beschäftigst und je intensiver Du diese reflektierst, desto größer werden deine Möglichkeiten, dein Selbstvertrauen, dein Verständnis für Dich und für andere.

 

·    Suche Dir professionelle Hilfe, sofern Du Dir die Veränderungsmöglichkeiten nicht selber aneignen kannst und bestehe darauf, dass Du genau diese lernen möchtest.

 

Bewältigungs- und Veränderungsmöglichkeiten:

Nach Jon Kabat-Zinn ist es wichtig, bei Belastungssituationen sich immer wieder mit bestimmten Fragen und Antworten auseinanderzusetzen, die in den 17 Punkten enthalten sind:

 

§  Wie ist dein Umgang mit der (augenblicklich) schwierigen Lebenssituation?

§  Verschaffst Du Dir Klarheit über die Situation und deinen Umgang damit?

§  Wozu tendierst Du?

§  Schuldzuweisung?

§  Erwartung, dass ein anderer sich ändern soll?

§  Erwartung, dass ein anderer dein Leid, deine Bemühungen, dein Engagement bemerken soll?

§  Tendierst Du zu Wutausbrüchen? Depressivem Verhalten? Wechsel von Wut und depressivem Verhalten?

§  Beschuldigst Du Andere? Dich?

§  Versuchst Du mit aller Kraft und immer wieder, anderen zu helfen?

§  Grübelst Du?

§  Versinkst Du in Trauer?

§  Fliehst Du immer wieder aus belastenden Situationen?

§  Denkst du, da ist doch nichts zu machen?

§  Denkst Du, dass Du nichts ändern kannst, weil Du bestimmte Situationen (z B. aus finanziellen oder emotionalen Gründen) nicht verlassen kannst / darfst? 

 

 

Jon Kabat-Zinn: ....die Idee, dass es „Glück und Leid gibt, Hoffnung und Verzweiflung, Ruhe und Erregung Liebe und Hass, Gesundheit und Krankheit“ bietet eher die Möglichkeit, den unvermeidbaren Sorgen, Tragödien und Ironien des Lebens positiv zu begegnen.

 

Ausführlicheres zu Jon Kabat-Zinn und seinem Konzept der Achtsamkeit, des „mindfullness based stress reduction“-Programms (MBSR) ist auf meiner Homepage www.marlieswarncke.de unter <<Home>>, „Download, Skripte...) enthalten unter dem Stichwort: „Mindfullness Based Stress Reduktion MBSR“

 

 

 

 

Quellen:

MBSR

  • Kabat-Zinn, Jon, Ulrike Kesper-Grossmann, Die heilende Kraft der Achtsamkeit, Arbor Verlag, Freiamt/Schwarzwald2044, 2. neu überarbeitete Auflage 2010 (Buch und 2 CD’s)
  • Kabat-Zinn, Jon, Gesund durch Meditation, Das große Buch der Selbstheilung, Knaur TB., München 2011

Neurowissenschaft / Neurologie

  • LeDoux, Joseph E.: Angst. Wie wir Furcht und Angst begreifen und therapieren können, wenn wir das Gehirn verstehen. Ecowin Verlag, 2016, Wals bei Salzburg

TCM

  • Der gelbe Kaiser. Das Grundlagenwerk der traditionellen chinesischen Medizin. Knaur TB, München 2011

Trauma / Traumafolgestörungen

  • Van der Kolk, Bessel, Verkörperter Schrecken. Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilt. G. P. Probst Verlag GmbH, Lichtenanu / Westf. 2015, 2. Auflage 2016

Flow

·       Csikszentmihályi, Mihály. Flow. Klett-Cotta, Stuttgart 2008

Positive Psychologie

  • Seligmann, Martin E. P.  („erlernte Hilflosigkeit“). US-amerikanisher Psychologe, geb. 1942

Pessimisten küsst man nicht (1991). Die Glücksformel (2002)

Resilienzforschung

 

 

Marlies Warncke

Paar- und Familientherapeutin. Pädagogin. Heilpraktikerin Psychotherapie.

Gründerin und Leitung der Systemischen Seminare



[1] Das „10-Schritte-Programm...“ von Simonton als Download in www.marlieswarncke.de

[2] Jon Kabat-Zinn, 1944, Meditationslehrer und Gründer der Stress Reduction Clinik in Massachusetts.

 

[3] im psychologischen Bereich würde man hier von unbewusster Inszenierung von aus der Kindheit

  oder Jugend stammender konfliktreicher oder traumatischer Situationen und Gefühle sprechen

[4] Nicht nur aus der Stressforschung und der Psychosomatischen Medizin, ebenso aus den Schriften der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und aus der aktuellen neurowissenschaftlichen Forschung ist bekannt, dass starke und häufig wiederkehrende negative Gefühlszustände – wie zum Beispiel lang anhaltende Hilflosigkeit, wiederkehrende depressive Trauer - depressives ‚In-Sich-Versinken’, anhaltende oder immer wiederkehrende Wut, Aggressionen, nicht endende Trauer.... im Körper bestimmte chemische, krankheitsfördernde, das Immunsystem schwächende Prozesse auslösen