Am 22.-23. September 2019 beginnt eine einjährige Weiterbildung zu den Grundlagen von Entwicklungstraumen und zur Psychotraumatologie in Kirchzarten / Freiburg

Die Weiterbildung umfasst - berufsbegleitend -  6 Wochenend-Module

1 Modul ist als Praxismodul in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe vorgesehen.

 

 

„traumatic growth“

 

Weiterbildung Psychotraumatologie

Wachstum und Entwicklung durch Bewältigung von Entwicklungs-Traumen

 

Beginn: 21.  22. September 2019 

Kirchzarten / Freiburg

 

 

„Ein Trauma ist die am meisten vermiedene,

ignorierte, verleugnete, missverstandene und

unbehandelte Ursache menschlichen Leidens“

(Peter A. Levine)

 

Konzept, Inhalte und Ziele der Weiterbildung

Die Weiterbildung bietet ein integratives Konzept unterschiedlicher psychologischer Richtungen der Psychotraumatologie. Im Rahmen der Weiterbildung werden Sie:

  • Ausgewählte Methoden der Arbeit mit (bzw. Verarbeitung von) Traumen kennen lernen.
  • Eine intensive Erarbeitung der individuellen Bedeutung traumatischen Erlebens, die sich daraus entwickelnden Trauma-Folgestörungen sowie praxiserprobte Methoden der Trauma-Heilung aus unterschiedlichen Schulen kennen lernen. Die ausgewählten Methoden sind sowohl effektiv als auch universell in Beratung, Therapie und Pädagogik einsetzbar.
  • Theorien und vielfältige praxisbezogenen Übungen begleitend erfahren, so dass Sie die Inhalte des Rahmenplans ganzheitlich verstehen können. 
  • Über das Konzept der positiven Erwachsenenbildung - insbesondere über die ganzheitliche, d.h.  die leibliche, kreative, geistige und emotionale Erarbeitung – werden die Inhalte der Weiterbildung gut integriert, so dass diese optimal im beruflichen Kontext jedoch auch als Selbsthilfe-Schemata angewendet werden können. Zu diesem Konzept gehört auch der in alle Seminare integrierte Anteil der Selbsterfahrung.
  • Praxisseminar: Es findet ein ausgesuchtes Praxis-Theorie-Seminar in der Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe "timeout" (Nessellache bei Kirchzarten) statt. Der erste Tag wird gestaltet von der Erziehungsleiterin der Einrichtung Katrin Veigel-Götte. Die Praxis der Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen steht hier im Vordergrund. Am 2. Tag wollen wir die Grundlagen der allgemein üblichen theoretischen Konzepte dazu befragen und reflektieren. 

 

 Traumata

Was ist ein Trauma ? Kurzer Überblick:

In den Konzepten zum Trauma und zur Arbeit mit Traumatisierungen gibt es unterschiedliche Ideen und Herangehensweisen.

Die Frage, was ein Trauma ist bzw. wodurch es entsteht, welche Auswirkungen es hat und welche Folgestörungen entstehen können wurde in den 50er Jahren erneut diskutiert. Ausgelöst wurde die Diskussion und Forschung durch die Rückkehr der Vietnamsoldaten nach Amerika. Die Erlebnisse und Folgeerscheinungen der oft extrem traumatisierten Soldaten bzw.  Vietnamveteranen eröffneten einen neuen Blick darauf, wie in der Folge von einschneidenden Erlebnissen (traumatisches Erleben) im späteren Leben sich Katastrophen, Leid, Verzerrungen, Suizidtendenzen, Wiederholungszwängen, Krankheiten und andere leidvolle Zuständen entwickeln - wie sich ein anderes (Er-) Leben nach dem Trauma’ freisetzen kann.

 

In der Traumaforschung wird unterschieden zwischen biografisch erlebten Traumata bei Erwachsenen und Kindern (traumatische Erfahrungen selber erlebt oder gesehen haben) und systemisch-generationsübergreifenden traumatischen Ereignissen (traumatische Ereignisse in einer früheren Generation und deren Auswirkungen auf spätere Generationen). Sowohl das biografische Trauma als auch das systemische Trauma bedeuten für Menschen oft sehr leidvolle Folgen, sofern sie unbewältigt bleiben. 

 

Biografische Traumata können verstanden werden als das hilflose Erleben von (aktiver oder subtiler) Gewalt, zum Beispiel Gewalterfahrungen in der eigenen Familie, Opfer von Missbrauch und sexueller Gewalt, Überfälle, das Erleben von Gewalt gegen andere Menschen, aber auch der plötzliche Tod bei wichtigen anderen Menschen in der Familie, Tod von Kindern, lang andauernde Arbeitslosigkeit, Verlust eines Elternteils durch Scheidung oder Tod, Übergriffe von Bezugspersonen in Kindergarten und Schule oder von stärkeren älteren Kindern, das Erleben eines Ausschlusses in der Familie.... Im Seminar werden ausgewählte Methoden der Arbeit mit ( beziehungsweise Verarbeitung von ) Traumata und Trauma-Folgestörungen vorgestellt und mit den Teilnehmenden erarbeitet.

 

Systemisch-generationsübergreifende Traumata bedeutet die ‚Weitergabe von traumatischen Ereignissen’. Kriegstraumen in der Eltern und Großelterngeneration werden zum Beispiel diesen „Systemischen Traumata“ zugerechnet die – unbearbeitet und ungelöst – an die Folgegenerationen weitergegeben werden. Die sogenannte Weitergabe geschieht unbewusst und führt zu Leid, Lebensunsicherheit, psychosomatischen Symptomen, Verstrickungen, dem Wiederbeleben von Opfer- und Täterenergien, dem Verhaftet-Sein in traumatischen Gefühlszuständen von Überflutung oder aber emotionaler Leere etc.  (diese Folgen werden zur Zeit literarisch beschrieben in Werken wie „Die Kinder der Kriegskinder“, Kriegsenkel“ u.a.). Im Rahmen der Weiterbildung wird dieses Thema in einem 2-Tage-Seminar erarbeitet.

 

Die Bewältigung von systemischen oder biografisch begründeten Traumen erfordern teilweise unterschiedliche Methoden der Diagnostik, Beratung und Begleitung. In der Weiterbildung wird in jedem Seminar eine erprobte Methode aus der Trauma-Therapie vorgestellt und eingeübt: die Psychodynamisch Imaginative Therapie (PITT), das „ Somatic-Experience“,  das „Focusing“, das Konzept des „traumatic stress“ (Bessel van der Kolk), ‚Transgenerationale Traumata’ (Marlies Warncke).

 

Die Arbeit mit Imaginationen, Heilung durch innere Bilder, kreative Methoden, Rahmenfeldarbeit, Achtsamkeitsübungen, Symbolisation, Empfindungswahrnehmung und die Arbeit an Körperlandschaften begleiten die Weiterbildungsseminare und bieten einen reichhaltigen Erfahrungsschatz für persönliche und berufliche Entwicklungen.

 

Die Weiterbildung ermöglicht Grundlagen für Veränderungsprozesse, da sie die traumassoziierten Re-Inszenierungen, denen Menschen unterliegen, verstehend erarbeitet, sowie Methoden persönlichen Wachstums und persönlicher Entwicklung zur Verfügung stellt. Über die Arbeit mit Trauma-Folgestörungen hinaus sind die in der Weiterbildung erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten sehr gut in allen beratenden, begleitenden und heilend wirkenden Berufsfeldern der Arbeit mit Menschen einsetzbar.

 

Nicht das Aufdecken traumatischer Erfahrungen an sich, sondern deren Durcharbeitung im Rahmen einer guten therapeutischen Beziehung führt demnach zu positiven Veränderungen.“ (S. Bettighofer)

 

 Themen der Weiterbildung

  • Trauma: Merkmale und Anzeichen. Denken, Fühlen und Verhalten in alltäglichen Situationen
  • Die Arbeit mit traumatischen Erfahrungen in Therapie und Beratung
  • Psychodynamik, Abwehr und Re-Inszenierung. Entwicklungstheorie und Bindung
  • Zusammenspiel von ZNS, Motorik, Gefühlen, Empfindungen und inneren und äußeren Einflüssen ( ‚Trigger’ / ‚Reize’ )
  • Psychodynamisch Imaginative Trauma-Therapie (PITT) in der Arbeit mit traumatisierten Menschen. Grundlagen und ausgewählte Methoden.
  • Somatic Experiencing (SE) als Methode der Arbeit mit traumatisierten Menschen (Grundlage der Theorie und ausgewählte Übungen)
  • Emotionale und körperliche Symptome bei Angst und Methoden der beratenden Arbeit mit  diesen Symptomen.
  • Trauma, starke Emotionen, Autoaggression und Depression. Missbrauch und Gewalterfahrungen.
  • Psychosomatik und 'Posttraumatische Belastungsstörungen' (nach dem ICD 10).
  • Trauma-Konfrontation und Trauma-Heilung. Ideen aus unterschiedlichen Schulen.
  • Gesprächsführung und Beratungskompetenz: Praxisbezogenes Erlernen und Einüben von Grundlagen professioneller Gesprächsführung sowie trauma-orientierte Gesprächsführung in Anlehnung an das Focusing ( Eugen Gendlin ). Problemlösungen erkunden mit Hilfe des Gesprächs. Lösungsorientierung und  Gesprächsführung.
  • Übertragung und Gegenübertragung in Beratung und in Alltagskontexten.

 

Theorie und Praxisarbeit stehen im Rahmen der Weiterbildung in einem sich ergänzendem Verhältnis. Die praktische Arbeit mit den unterschiedlichen Methoden orientiert sich an den Problemlagen der Teilnehmenden. Selbsterfahrende Übungen, Rollenspiele und hilfreiche Ansätze, begleiten die Theorie. Die übende Erprobung von ‚sanften Verfahren’ in der Arbeit mit Trauma-Folgestörungen, insbesondere in der Arbeit mit Entwicklungstraumen.

In den Lehrseminaren werden einige ausgewählte Richtungen der Psychotraumatologie vorgestellt: Sie befassen sich mit imaginativen Methoden aus der ‚Psychodynamisch Integrativen Traumatherapie - PITT’ von Luise Reddemann, sowie mit deren theoretischen Grundlagen (‚Ego-State-Therapie’, ‚Positive Psychologie’, ‚Psychoeducation’), dem Verfahren des ‚somatic experiencing’ (Levine) und mit dem ‚Therapeutischen Malen’.

  

Lehr- und Lernmethoden

Die Weiterbildung orientiert sich an den Prinzipien des sozialen Lernens, des Lernens von Erwachsenen und des kreativen und übenden Lernens. Eine Vielfalt von Methoden, Demonstrationen und Übungen soll die Freude am Lernen unterstützen. Der Praxisbezug sowie die Idee des ganzheitlichen Lernens soll unter anderem gewährleistet werden durch die supervisorischen und selbsterfahrenden Arbeiten der Teilnehmenden. Jede Gesprächsführungs- und Beratungs-Methode wird demonstriert und danach von den Teilnehmenden in Partner-Übungen umgesetzt. Theoretische Anmerkungen runden ab und erweitern und ergänzen den Blickwinkel.

 

Teilnehmerkreis – Teilnahmebedingungen

Die Weiterbildung ist offen für alle Interessierte. Sie eignet sich sowohl als Fach-Weiterbildung für Menschen aus beratenden, sozialen, erzieherischen und helfenden Arbeitsfeldern, sie ist jedoch auch offen für andere Interessiere, die diese Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung nutzen möchten.

Interesse und Motivation, sowie die Bereitschaft zur Selbsterfahrung und zur Erarbeitung von Fachliteratur sollte vorhanden sein. Ein Studium oder Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Zwischen den einzelnen Lehrseminaren findet jedes Mal eine eigenverantwortliche Übungsgruppe der Teilnehmenden statt ( ‚Intervisionsgruppe’ ). Die Teilnehmenden organisieren diese und leiten die Übungsgruppen eigenverantwortlich. Die Teilnahme an den Intervisionsgruppen ist verbindlich, eine Ausnahme ist gegeben bei einem entfernten Wohnort.

 

Trauma

„Entsetzliche Ereignisse, die jäh unser Gefühl der Sicherheit und Unverwundbarkeit durchbrechen, können den Umgang mit den eigenen Gefühlen und der Umwelt tiefgreifend beeinträchtigen. Ist die Stresssituation überwältigend genug, konditioniert das resultierende Trauma eine emotionale Reaktion, bei welcher der Körper schon beim geringfügigsten Reiz in Kampf- oder Fluchtbereitschaft oder Erstarrung verfällt: Der Alltag traumatisierter Menschen steht unter dem Vorzeichen des Traumas, gegenüber dem sie ständiger Alarmbereitschaft verharren.“

(Prof. Dr. med. Bessel A. van der Kolk, Leiter des HRI Trauma Center, Brookline, Mass.USA)

 

Termine, Seminarort und Kosten:

Die Weiterbildung „traumatic growth“ findet in Kirchzarten / Freiburg statt. 

Termine

21.09. – 22.09.2019

07.12. – 08.12.2019

15.02. – 16.02.2020

25.04. – 26.04.2020

27.06. – 28.06.2020

29.08. - 30.08.2020

Hospitationsmöglichkeit von Weiterbildungsteilnehmenden zu ermäßigten Gebühren bei den Experimentalaufstellungen 2019 vom 03.10. – 06.10.2020

 

Arbeitszeiten:

Samstags: 11.00  – 18.00 Uhr (2-stündig Mittagspause)

Sonntags:  10.00  – 16.00 Uhr (1-stündige Mittagspause)

 

Seminarort:

Kirchzarten / Freiburg

 

Zertifikat:

Sie erhalten bei regelmäßiger Teilnahme ein Zertifikat über Inhalte und Dauer der Weiterbildung.

  

Weiterbildungsgebühren für 6 Lehrmodule (1 Jahr):   

Gesamtkosten: 1320,-- Euro. Die Gebühren werden in Raten ca 5 – 7 Tage vor den einzelnen Lehrseminaren überwiesen. (Sechs Lehrseminare à 220,-- Euro)

 

Ermäßigung der Kosten über Bildungsscheck und Prämiengutschein ( Quali-Scheck in Rhl-Pfalz)

Teilnahme mit Prämiengutschein/Bildungsscheck: Die Weiterbildungskosten können sich darüber bis zu 500,-- Euro ermäßigen. Informationen über das  Internet, Volkshochschulen und der Industrie- und Handelskammer. Wichtig: Der Antrag auf einen Prämiengutschein, Bildungsscheck, Qualischeck muss vor der Anmeldung beim Weiterbildungsinstitut und vor der Zahlung von Weiterbildungsgebühren gestellt und bewilligt werden ! Auch Selbständige und RentnerInnen können bei Vorliegen der Bedingungen einen Prämiengutschein erhalten !

Bei Zahlung mit Bildungsscheck/Qualischeck/Prämiengutschein ist der Eigenanteil in 5 Raten zu den ersten fünf Lehrseminaren zu überweisen, da er  Prämiengutschein /Bildungsscheck/Qualischeck erst nach Zahlung des Eigenanteils in Kraft tritt.

 

Die Weiterbildungskosten beziehen sich ausschließlich auf die Weiterbildungsgebühren. Verpflegungs- und/oder Übernachtungskosten etc. sind darin nicht enthalten, sie werden von den Teilnehmenden selbst getragen.

 

Ausblick in ein zweites Weiterbildungsjahr: An das Grundlagenjahr kann sich ein zweites Jahr anschließen. Das zweite Weiterbildungsjahr ist nicht obligatorisch enthalten in der Anmeldung zum Grundlagenjahr. Es kann aus persönlichem Interesse und zur Fortsetzung der beruflichen Entwicklung gebucht werden. Schwerpunkte des 2. Jahres sind generationsübergreifende Folgen von Traumata. Diese werden in Verbindung dem generationsübergreifenden Verfahren des ‚Familienstellens’ unterrichtet. 

Die Termine für ein zweites Weiterbildungsjahr werden bis Mitte 2019 in die Homepage gesetzt.  

 

 

Leitung der Weiterbildung: Marlies Warncke

Systemische Paar- und Familientherapeutin (DGSF), Pädagogin (LA), Heilpraktikerin Psychotherapie (HPG), Trainerin „Progressive Muskel Entspannung“ (PME) nach Jacobson. Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren mit Weiterbildungsgruppen.

 

Co-Leitung des Praxisseminars ( Leiterin des ersten Tages ): Katrin Veigel-Götte

Erziehungsleiterin der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung "timeout" in Nessellache. 

 

Anmeldung:

Die Anmeldung ist verbindlich, wenn die schriftliche Anmeldung (zum Ausdrucken siehe links die Rubik 'Anmeldung: Formular') vorliegt. Der Anmeldung bitte eine kurze Beschreibung beifügen zum aktuellen Tätigkeitsfeld, Berufsabschlüsse und derzeitiges Berufsfeld. Sie erhalten nach Eingang Ihrer Anmeldung eine Teilnahmebestätigung.

 

Die Anmeldung senden an:

Marlies Warncke

Lindenbergstr. 20

79271  St Peter (Schwarzwald)